Echtes Handwerk...

Handwerk Tradition

Warum ist das Handwerk so wichtig und müssen Traditionsberufe gestärkt werden?

Neulich habe ich einen Spruch eines Handwerkers in meiner WhatsApp Liste gelesen und musste schmunzeln.

"In 10 Jahren warten 500 studierte Leute auf 10 fünfundfünfzig Jährige Handwerker um ihren Auftrag ausgeführt zu bekommen"


Worüber ich jetzt noch schmunzele, ist längst keine Vermutung mehr. Und ich merke im Tagesgeschäft, dass es ebenso auch kein Zukunftsszenario mehr ist.
Das Handwerk stirbt aus. Die Traditionsberufe verlieren Ihre Wertigkeit. Ist es durch die Automatisierung? Oder die böse, böse Digitalisierung? Klingt sehr dramatisch und in gewissen Bereichen ist es das auch. 
Vielleicht sollte ich darauf aber mal einen Blick werfen um wirklich mitreden zu können. 

Was ist das Handwerk eigentlich?

Früher gab es für diese eigene wirtschaftliche Gruppe gar keinen gesonderten Begriff. Heute ist es so, dass es eine Branche darstellt. Ja, bis zur Nische sogar. Vor der Industrialisierung war der glücklich, der sich bestimmter handwerklicher Fähigkeiten bedienen konnte. Etwas produzieren und fertigen. Die Industrialisierung wird als der Prozess des Agraarstaates hin zum Industriestaat bezeichnet. Die Industrialisierung hat in Europa eine Revolution gebracht und vielen Länder den Reichtum. Von der beschwerlichen Arbeit auf dem Feld oder dem Spinnrad, hin zu Arbeiternomadentum. Die Leute zieht es dort hin wo die Fabriken sind. Steigende Löhne, Kapitalisierung und höher Nachfrage nach Konsumgütern. 


Wenn ich die Entwicklung der Industrialisierung von Deutschland so recherchiere und lese wie die Zustände der Arbeiter damals waren, denke ich bei mir, dass diese Zustände heute auch in viele Bereichen herrschen. Ungesundes Wachstum der Firmen, Auffanglager in ärmlichsten Bedingungen für Flüchtlinge und Wohnraumknappheit. Haben wir nichts daraus gelernt? Warum halten wir uns für so fortschrittlich, wenn wir unsere Geschichte immer und immer wieder wiederholen?

Neues Handwerk heute

Handwerksbetriebe früher haben die Güter noch wort-wörtlich von Hand gefertigt. Heute bieten Maschinen Entlastung und Skalierung. Sie ersetzen die handwerkliche Tätigkeit und fordern die Bedienung durch den Mensch. An den Mitarbeiter in einem Handwerksbetrieb werden heute ganz andere Fähigkeiten gestellt als früher. So muss dieser fit am PC sein, Pläne lesen können oder programmieren können. 
Kommt ein junger Mensch mit dem Interesse daher, etwas handwerkliches auszuüben, habe ich dabei das Bedürfnis dies heute in Anführungszeichen zu setzen.

Die Ausübung eines Handwerks wird nicht nur durch die Automatisierung erschwert, sondern auch an die Regularien die gerade Deutschland an einen Betrieb stellt. Der Begeisterung zur Ausübung eines Beruf werden heute viele Hürden gestellt. Meistertitel, anrechenbare Jahre und niedrige Löhne sind dabei die ersten Begriffe die mir einfallen.
Natürlich bilden sich aus der Industrialisierung auch immer neue Berufsfelder und die Interessensgebiete verschieben sich. Dies bringt mich aber zu der Verknappung der Handwerker wieder zurück. 

Make "handwerk" great again 

Wie also, können Traditionsberufe wieder attraktiv gemacht werden? Natürlicher Weise müssen die Betriebe ihre Stellen bei jungem Nachwuchs vor allem mit der Bezahlung attraktiver machen. 
Dies führt letztlich aber nicht zu mehr Qualität bei der Ausübung. Die Mitarbeiter werden über das Geld motiviert, haben aber wenig intrinsische Motivation zur Weiterentwicklung. Vielleicht programmieren sie in ihrer Freizeit lieber Apps oder verbringen die Abende vor dem Fernseher. Die einfachste Lösung wird hier gesucht, um eine solide Ausbildung in der Heimat zu absolvieren. Wurde ja schon immer so gemacht... Nur was da an tatsächlichem Talent in einem schlummert, verkümmert nach und nach. 
So möchte ich doch lieber die Geburtstagstorte einer Konditorin kaufen, die jede Zutat kennt und die Farben des Fondants eigens auf einander abgestimmt hat. Die industrielle Massenproduktion aus dem Tiefkühler fühlt sich da eher wie eine Ohrfeige am Nachmittag an. Klar, es mag nicht jeder den Hang zu Emotionalitäten bei Konsumgütern haben wie ich. Jedoch würde ich behaupten, dass storytelling bei meist jedem Produkt angewendet wird. So auch bei der Coppenrath Torte, die dir Szenarien von einer feinen Villa und edelstem Kaffeegeschirr in den Kopf ruft.

Natürlich kann ich hier nun aufzählen, dass es die Aufgabe der Fachverbände ist, dass Handwerk wieder attraktiver zu machen, oder ich kann auf die unzähligen Fachzeitschriften hinweisen. Ich persönlich finde aber die kreativen Ansätze der Betriebe selbst und Eigeninitiative interessanter. Mir dauert die Entwicklung der Handwerkskammern in Deutschland viel zu lange. Die Prozesse sind altbacken und dabei denken die Parteien wohl immer noch, wir seien fortschrittlich. 
Ich möchte meinen eigenen Beitrag leisten. Etwas tun, aktiv werden und nicht nur über die Entwicklungen schimpfen. 

Mit blacklabel.vonklipstein möchte ich gezielt europäische Handwerksbetriebe unterstützen. Ich liebe schöne handgefertigte Designprodukte. Und nein, nicht jedes handmade Produkt sieht nach DIY aus, oder riecht nach Räucherstäbchen.
Mein Label hilft traditionsreichen Betrieben den Zugang größerer Reichweite zu erhalten. Es ist mir ein Herzensanliegen, kreativen Menschen, die ihre eigenen Talente leben, eine Plattform zu bieten und mit ihnen zu arbeiten.

Zum Glück sehe ich einen Trend von modernisierungsgesättigten Menschen, die sich nach Einfachheit, Natürlichkeit und Nachhaltigkeit sehnen.